Pistol Supermassiver Stern



                                           im Sternbild: Schütze














 

© NASA, HST

 




 

 

 


Katalog Nr:

Himmel

Sternbild

Koordinaten

GAL 000.15-00.05

süd

Sagittarius

17h 46' 15,20“

-28° 49' 49,0“


alternativ

Abs.Helligkeit

Scheinb.Helligkeit

Entfernung

Durchmesser

Pistol

-

-

25.000 Lj

-









Bemerkung zum Bild: Pistol



Dieses Bild des Hubble Weltraumteleskops aus dem Jahr 1995 zeigt einen Stern, der eine bisher nicht beobachtete Masse besitzt. Er befindet sich im Sternbild des Schützen, also in der Hauptebene der Milchstrasse und wird deswegen von den dortigen Staubmassen so weit abgedunkelt, dass er bisher zu keinem, in besonderer Weise auffallenden Objekt wurde. Die Absorption seines Lichtes ist so stark, dass nur jedem Billionsten (1012) Photon der Weg zur Erde gelingt. Dass der Stern einen ihn umgebenden Nebel besitzt, weiss man seit Anfang der 90iger Jahre, aber erst jetzt konnte er mit der Infrarotkamera des Weltraumteleskops fotografisch aufgezeichnet werden. Seinen Namen Pistol (Pistolenstern) erhielt er wegen dieses Nebels, in dem einige Beobachter die 'Schmauchwolken', nach einem Pistolenschuss erkennen.

Der Stern verstrahlt eine Energie, die um das Zehnmillionenfache grösser ist als die der Sonne. Sein Radius ist schon jetzt, während seines Normalzustandes, grösser als es die Entfernung von der Sonne zu der Erde ist und die Menge seiner anfänglichen Materie war vermutlich grösser als 200 Sonnenmassen. Der Stern stösst in Perioden Materiewolken von sich ab. Sie umgeben ihn im Bild als rote Wolke. Die Wolke besteht vorwiegend aus ionisiertem Wasserstoff und aufgrund ihrer Struktur wird vermutet, dass das Gas in zwei Perioden, vor 6.000 und 4.000 Jahren, abgestossen wurde. Der Durchmesser der Gaswolke beträgt etwa 4 - 4,5 Lichtjahre. Das entspricht in etwa der Entfernung von der Sonne bis zu ihrem nächsten Nachbarstern Alpha Centauri. Die abgestossene Gasmenge wird mit etwa 10 Sonnenmassen beziffert.

Massereiche Sterne leben relativ kurz. Wegen der überaus grossen Gravitationskräfte in ihrem Inneren verschmelzen sie den verfügbaren Wasserstoff alsbald zu Helium, dem weitere chemische Elemente bis hin zum Eisen folgen. Je grösser die den Stern zusammenziehenden Kräfte sind, desto schneller geht dieser Prozess vonstatten. Das Alter des Pistol-Sterns wird auf 1 bis 3 Millionen Jahre geschätzt und man vermutet, dass er spätestens nach weiteren 3 Millionen Jahren in Form einer spektakulären Supernova enden wird. Je kleiner der Stern ist, desto grösser ist seine Lebenserwartung. Bei der Sonne sind dies etwa 10.000 Millionen Jahre.

Die Entdeckung des Pistol-Sterns begeistert die Astowissenschaftler. Sterne mit sehr grossen Massen sind selten und in der Nachbarschaft der Sonne nicht aufzufinden. Andererseits gibt es im nahen Umfeld der Sonne, die rätselhaften Wolf-Rayet-Sterne mit vergleichsweise geringen Massen. Sie besitzen trotz ihrer geringen Materiemenge Gashüllen, die sie nach den Annahmen der Astophysiker selber erzeugt haben. Man hofft nun in dem Pistolenstern das fehlende Glied zur Erklärung der Vorgänge bei den Wolf-Rayet-Sternen gefunden zu haben. Bei ihm geht man nach dem bisher Gesehenen davon aus, dass er am Ende seines Lebens nur noch aus 10 Sonnenmassen besteht, da man annimmt, dass er den Rest seiner Materie in der Form von Gaswolken in das All schleudern wird. Wenn diese Theorie stimmt, entspräche er irgendwann einem Wolf-Rayet-Stern, womit deren Entstehung erklärt wäre.

Den Grund für das Abstossen der Gashüllen sehen die Astrophysiker in Störungen des Energieflusses im Inneren des Sterns. Sterne halten sich im Gleichgewicht, indem sie dem gravitativ bedingten, nach innen wirkenden Druck, den nach aussengerichteten Druck ihrer Wärmestrahlung entgegensetzen. Über weite Zeiträume ist dieses Gleichgewicht stabil, jedoch scheinen bereits geringe Störungen im Energiefluss der Wärmestrahlung, zu enormen Überreaktionen zu führen. Etwa so wie bei den 'Gleichgewichtsstörungen' eines Geysirs, bei dem geringe Druckverluste durch Wasser, welches zunächst kochend aus dem Schlot herausgespritzt wird, letztendlich zu seiner Fontaine führen. Dass schon kleine Sterne nicht ideal und gleichmässig brennen, ist von den Ausbrüchen der Sonne her bekannt.

Aus der Entdeckung des Pistol-Sterns im Innenbereich der Milchstrasse, vermuten die Astrophysiker zudem, dass die Bedingungen dort die Bildung grosser Sterne eher begünstigen, als es in ihren Aussenbezirken der Fall ist.
(Nun gut, wir wünschen den Astrophysikern, dass sie die nächsten 3 Millionen Jahre überleben werden)






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