1.1.2 Das Universum
 
Das Universum ist nach Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung mit der Raumsonde WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) aus dem Jahr 2002 etwa 13,7 Milliarden Jahre ±1% alt. Seine von Menschen und deren technischen Hilfsmitteln beobachtbare Ausdehnung in der Tiefe beträgt knapp 28 Milliarden Lichtjahre. Das scheint ein Widerspruch zu sein, denn wie kann man bei der bekannten Geschwindigkeit von Licht, 28 Mrd. Lichtjahre weit sehen, wenn das All erst vor 13,7Mrd Jahren entstand. Licht könnte in dieser Zeit nur eine Strecke von 13,7 Mrd. Lichtjahren durchlaufen. Die Lösung dieses Problems liegt in der falschen Annahme, dass die Lichtgeschwindigkeit die alleinige und höchste Geschwindigkeit ist. Albert Einstein postulierte sie als höchste Geschwindigkeit für Informationen (elektromagnetische Wellen). Er machte keine Angaben über die Geschwindigkeit, mit welcher sich das All nach dem Urknall, dem Big Bang ausdehnte. Diese Geschwindigkeit muss größer gewesen sein.
Wie bereits angegeben, können die modernen technischen Geräte der Menschheit im Jahr 2005 noch Körper sehen, deren Licht 28 Mrd. Jahre unterwegs war.
 
Eine der theoretischen Szenarien, bei dem die Astrophysiker ihre von Albert Einstein übernommenen Formeln ansetzen, ist der 'Big Bang', die Explosion eines unbekannten Etwas, aus dem sich der Raum des Universums entwickelte. Es ist müßig, sich den Kopf darüber zerbrechen zu wollen, was dort explodierte, warum es dies tat und welchen Zustand es zuvor hatte. Schon die Frage, ob es den Big Bang wirklich gab, kann niemand beantworten. Er markiert den Ausgangspunkt einer Annahme, oder Hypothese, von dem aus sich Einsteins Formeln einsetzen lassen, dann aber interessante Ergebnisse liefern, die seither weitgehend widerspruchsfrei das beobachtbare Verhalten des Universums beschreiben und neue Prognosen zulassen.
 
In diesem, durch den Big Bang geschaffenen Raum, entstehen nach wenigen Sekunden die Elementarteilchen und Minuten später die ersten einfachen Atome, wie die des Wasserstoffs. Bereits nach 100 bis 400 Millionen Jahren flammen die ersten Sterne auf, so dass die ältesten Sterne, wie von den Astronomen auf einem anderen Weg ermittelt, tatsächlich 12 bis 13 Milliarden Jahre alt sein können. Es dauert nun etwa 1 Mrd. Jahre bis sich die Sterne zu Sternhaufen und kleinen Galaxien zusammenfinden, die, wie man seit etwa dem Jahr 2005 annimmt, zu größeren Galaxien verschmelzen. Dramatisch anmutende Bilder von zusammenstoßenden und sich durchdringenden Galaxien stützen diese Vermutung. Der Raum organisierte sich zu der heute bekannten Struktur.
 
Lange Jahre herrschte die Annahme vor, dass sich der von dem Big Bang hervorgerufene Raum nach seiner maximalen Ausdehnung wieder zusammenziehen und in sich zurückstürzen würde, was als Big Crunch bezeichnet wurde. Von dieser Hypothese muss sich die Astrowissenschaft seit Mitte der 1990 Jahre zurückziehen. Es verdichten sich die Anzeichen, dass sich das Universum bis in 'alle Ewigkeit' ausdehnen wird. Noch immer bewegen sich die am weitesten entfernten Objekte mit sehr hoher Geschwindigkeit nach außen hin fort und niemand weiß, wo die Massen stecken sollen, welche diese Fluchtgeschwindigkeit noch bremsen können.
 
Dass es noch eine Masse geben muss, deren Beobachtung menschlichen Messmethoden bisher nicht gelang, ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen der Fliehkraft eines Sterns, der um eine Galaxie herumfliegt und den Gravitationskräften der Massen, die ihn davor beschützen in das Weltall hinauszufliegen. Beide Kräfte müssen im Gleichgewicht stehen, und lassen sich berechnen. Hierbei ergibt sich, dass die in den Galaxien verfügbare, und erfassbare Materie den auftretenden Fliehkräften weit unterlegen ist. Da die Sterne nun andererseits nicht wegfliegen, muss es weitere Kräfte geben, die bisher nicht beobachtet werden konnte. Um dem Kind einen Namen zu geben, verpassten die Astrophysiker der Energie die diese Kräfte hervorbringt den Namen 'schwarze oder dunkle Energie'. In der Gesamtenergiebilanz des Universums, die sich nach Einsteins Formel E=m•c² aufstellen läßt und die eine Vergleichbarkeit von Masse und Energie behauptet, muss die notwendige Masse etwa 23%, gegenüber den kläglichen 4% der sichtbaren Masse umfassen.
 
Die zunächst erwogene Idee, dass es sich dabei um die Massen von kalten Wasserstoffwolken, Staubnebeln, ausgebrannten Sternen, oder denen von Planetenkörpern handelt, die man im Dunkel des Weltalls nicht sehen könnte, mußte aufgegeben werden. Auch solche Objekte verraten sich durch die Wechselwirkung mit sichtbaren Körpern. Entsprechend der oben genannten Relation müßte der Raum von derartigen 'Wechselwirkungen' wimmeln, was nun wiederum nicht der Fall ist. Trotz intensiver Suche fand man zwar einige Sternleichen, doch deren Menge kann das Missverhältnis zwischen sichtbarer und unsichtbarer Masse nicht auflösen. So bleibt nach dem Weltbild der heutigen Physik nur die Annahme, dass es sich um eine Materieform handelt, die wir Menschen noch nicht kennen und für die wir noch keine Messsensorik besitzen.
 
Geht man davon aus, dass zusammen mit der Dunklen Materie (Dark Matter) alle Massen des Universums erfasst wären, könnte man die bremsende Wirkung der aus ihr resultierenden Massenanziehungskraft auf den Expansionsdrang des Weltraums berechnen. Aber die bereits oben angesprochenen Beobachtungen von der unverminderten Expansion des Alls weisen darauf hin, das weniger eine Bremswirkung eintritt, sondern eher eine Beschleunigung. Auch dieses, erst aus der Mitte der 1990er Jahre stammende Resultat führte dazu, nach einer bisher unbekannten Energie zu suchen, auf der diese Beschleunigung beruht. Auch hier denkt man an die 'Schwarze oder Dunkle Energie' auch 'Quintessenz genannt. Sie soll in der Energiebilanz des Weltraums 73% ausmachen.
 
Zugegeben, der obige Zustandsbericht liest sich verwegen, aber er geht davon aus, dass wir zumindestens unserer Wahrnehmung trauen dürfen, .. wir also annehmen können, dass es mit einiger Sicherheit das erfasste und erfahrene Weltall gibt.
So gesehen ist dieses Bild besser, als das noch vor wenigen hundert Jahren vorherrschende Bild, welches zunächst die Erde, dann die Sonne in den Mittelpunkt setzte und Menschen tötete die dem nicht folgen wollten. Die nachgewiesene Erkenntnis, dass es außerhalb unserer Galaxie weitere Sterninseln gibt, liegt gerade mal den Zeitraum eines Menschenlebens zurück. Homo Sapiens wird es ertragen müssen, wenn sein jetziges Bild noch einmal gekippt und angepasst werden muss. Bis dahin aber ist das jetzige Bild ein ungemein spannendes, und unterliegt dem Versuch, objektiv zu berichten und die gemachten Beobachtungen zu belegen, sowie begründet und widerspruchsfrei zu beschreiben.

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