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Sterne:
Kinderstube und Lebensdauer
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- NGC 2244, der Rosettennebel. In seine
Mitte haben sich junge Sterne durch ihren Sonnenwind eine Höhle
geblasen. Wasserstoffwolken und Dunkelstaub durchziehen ihn und
können der Geburtsort weiterer Sterne werden.
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3000 Jahre
von der Hypothese zum Beweis
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Schon im 6. Jahrhundert vor Christus nahm der Grieche Aximenes
an, dass Sterne Verdichtungen verdünnter, im Raum verteilter
Materie seien. Die gleiche Auffassung wurde im 16.Jahrhundert von
dem dänischen Astronomen Tycho Brahe und 1692 von dem
englischen Physiker Isaak Newton erneut formuliert. Aber erst mit
der Erfindung des Teleskops zu Beginn des 17.Jahrhunderts konnte
diese Annahme untermauert werden. Von 1779 an durchforschte der
Engländer Sir William Herschel mit einem riesigen Teleskop
den Sternenhimmel und er fand die Nebel, aus denen, wie er
vermutete, die Sterne entstehen würden. Er konnte nicht
wissen, dass sich einige seiner Nebel später als ganze
Galaxien herausstellten, dennoch hatte er die Brutstätten
neuer Sterne gefunden. Erst im 19.Jahrhundert ermöglichten
die Erfindungen der Spektralanalyse sowie die der Fotografie
genauere Analysen der Nebel, doch junge entstehende Sterne konnte
man auch jetzt noch nicht sehen. Dies geschah erst Mitte der
80iger und Anfang der 90iger Jahre des 20.Jahrhunderts durch den
Einsatz von Infrarot-Detektoren ausserhalb der Erdatmosphäre.
Seither hat das Verständnis der Sternentstehung grosse
Fortschritte gemacht.
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Im Nebel sehen
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- Sterne entstehen als Verklumpungen von Atomen, inmitten von
Nebeln. Dabei wachsen in den Gasansammlungen der Druck und die
Temperatur. Gemessen an der Normaltemperatur des Weltraums von
ca. 3K sind 100K schon ein erheblicher Temperaturanstieg .. doch
bei -173°C was 100K entspricht, senden erwärmte Körper
noch kein Licht im sichtbaren Bereich aus. Ausserdem würde
sichtbares Licht von dem umgebenden Nebel stark absorbiert
werden. Es wäre also nichts zu sehen.
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Infrarotes Licht dagegen wird von jedem erwärmten Körper
ausgestrahlt und es passiert die Nebelschwaden nahezu
ungehindert. Damit ist es ideal, um hinter den Schleier der
kosmischen Kinderstuben zu sehen. Wie ein Röntgengerät
den menschlichen Körper, so durchdringen Infrarotstrahlen
das Gas der Wasserstoff- und der dunklen Materiewolken.
Allerdings können Infrarot-Teleskope nicht auf der Erde
eingesetzt werden. Allein die Temperatur der Atmospähre
würde jedes Bild 'überbelichten'. Erst nachdem 1995
die Europäische Südsternwarte (ESO) ihr
Infrarot-Weltraumteleskop ISO im Weltall absetzte, können
die Astronomen ihre 3000 Jahre alten Vermutungen auch belegen.
Besonderes Augenmerk findet dabei der Orion-Nebel. Er ist nicht
weit entfernt, und in seinen Schwaden erblicken gerade hunderte
Sterne das Licht des Universums.
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- Das Ausgangsmaterial
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Die
Nebelwolken, aus denen Sterne entstehen bestehen im Schnitt zu
70% aus Wasserstoff, 18-25% aus Helium und zu etwa 2% aus
schweren Elementen, wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Magnesium und
Eisen. Bei den Dunkelwolken ist dieses Material bereits zu
feinstem Staub verklumpt. In einem Würfel von 1cm
Kantenlänge befindet sich je ein Atom, was für die
Verhältnisse im Weltraum eine riesige Dichte darstellt,
gemessen an der sonst üblichen Verteilung, bei der ein Atom
erst in mehreren Kubikkilometern auftritt. Diese Wolken werden
von Dichtewellen durcheilt, die aus einer Vielzahl von Quellen
stammen können. So aus den Kraftfeldern, die aus der
Bewegung der Massen innerhalb einer Galaxie entstehen oder von
explodierenden Sternen. Diese Dichtewellen verwirbeln die
Teilchen der Wolke und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich
diese so dicht kommen, dass sie untereinander durch Gravitation
verklumpen. Je grösser ein solcher Klumpen von Atomen wird,
desto weiter reicht seine Gravitation und desto mehr weitere
Atome werden zu ihm finden und mit ihm verklumpen.
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- Das Spiel der Kräfte
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- Obwohl die Astrophysiker schon ein recht gutes Bild der
weiteren Vorgänge besitzen, gelingt es ihnen, wie beim
Wetter nicht, genaue Vorhersagen zu machen. Die Menge der
externen Einflüsse ist zu gross. So können die
Strahlungen benachbarter Sterne und deren Magnetismus z.B. durch
die Ionisation der Atome, erheblichen Einfluss auf die
Eigenschaften der Nebelwolke und der in ihr enthaltenen Atome
nehmen und damit auch auf den entstehenden Stern. Etwas
vergröbert wird sich aber folgendes ereignen.
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Alle Teilchen der Materieverdichtung bringen einen
Bewegungsimpuls mit. Somit beginnt sich der Klumpen zu drehen.
Diese Drehung wird, wie bei einer Eiskunstläuferin, umso
heftiger, je enger die Teilchen aneinanderrücken müssen.
Der zunächst kugelähnliche Gasraum um den entstehenden
Stern, flacht zunehmend zur einer äquatorialen Scheibe ab.
Die Scheiben spiegeln den Gravitationsradius des zentral
entstehenden Sternes wieder. Er beträgt normalerweise, wie
bei unserer Sonne, etwa um 1000 Astronomische Einheiten AE.
(1000 mal Abstand Sonne-Erde). Die Scheiben bilden den Raum in
dem auch die Planeten der neuen Sonne entstehen können.
Ihre Bildung unterteilt den Nebel, aus dem heraus sie
entstanden, in eigenständige Teilbereiche.
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- Die Zerreissprobe
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Dem zunehmenden Drehimpuls wirkt die ebenfalls grösser
werdende Fliehkraft entgegen. Sie unterbricht zwar nicht den
Formungsprozess des Sterns, verlangsamt ihn aber. So wird
verhindert, dass es zu einem plötzlichen Massenkollaps der
gesamten Masse kommt. Je mehr Materie der junge Stern jedoch
einfängt, desto schneller wird die Rotation und damit die
Fliehkraft. Er läuft Gefahr auseinandergerissen zu werden,
wäre da nicht sein extrem angewachsenes Magnetfeld. Es
entsteht, weil sich die Atome unter dem Innendruck zerlegen
(ionisieren). Junge Sterne besitzen Magnetfelder, die um den
Faktor 1000 stärker sind, als das unserer Sonne. Die
Magnetlinien verlaufen parallel zur Polachse und stehen damit
senkrecht zur Materiescheibe. Durch die rasante Rotation sind die
Magnetfeldlinien in Richtung des Äquators mehrfach
gewickelt, wie Spagetti auf einer Gabel. Aus der Materiescheibe
einfliessende Atome werden ebenfalls ionisiert, folgen teilweise
den Magnetlinien hin zu den Polen und werden hier, mit hoher
Geschwindigkeit, als Strahl, wieder in das Weltall
hinausgeblasen. Derartige Strahlen nennt man einen Jet und diese
nehmen einen grossen Teil der Rotationsenergie mit. So rotiert
der Stern zunehmend langsamer. Sterne mit einem solchen
Materiejet nennt man nach ihrem Entdecker Herbig Haro Sterne.
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Dieses Bild zeigt den
Herbig Haro Stern 34. Er befindet sich im Sternbild Orion, in der
Nähe des Nebels NGC 1999. Deutlich ist der rote Materiejet
des kleinen gelben Sternpunktes zu erkennen. Er endet in der
gelblich grünen Keule am unteren Ende des Bildes. Der Stern
besitzt auch einen Jet zur entgegengerichteten Seite, dieser wird
hier aber weitgehend durch die Dunkelmaterie verdeckt.
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- Der Vorgang dauert etwa 10Mio Jahre, während derer sich
die anfängliche Materiescheibe zum Stern, und seinen
Planeten zusammenfindet. Nebelreste die bis jetzt noch keinen
Massekörper gefunden haben, fegt der stärker werdende
Sonnenwind in das All hinaus. Die Scheibe wird zunehmend
durchsichtig. Die Grösse der entstandenen Himmelskörper
variiert stark. Ihr Spektrum reicht vom Gesteinsbrocken, über
den Gasplaneten, Braunen Zwerg bis hin zur Supersonne, die
einige hundert Sonnenmassen beinhaltet.
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Am Dümmsten haben es die Wasserstoff-Riesenplaneten
getroffen. Ihre Gesamtmasse blieb kleiner als etwa 8-9% der
Sonnenmasse. Damit sind sie zwar zu grossen Wasserstoffballons
angewachsen und durch die Gravitationskräfte, auch einige
hundert °C heiss geworden. Doch ist ihre Masse zu klein um
die Kernfusion zu starten. Sie gelangen über ihren Status
als Planet nicht hinaus und werden sich im Lauf der
Jahrmillionen abkühlen.
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Der nächste Schritt sind die Braunen Zwerge. Sie bilden den
Zwischenschritt zwischen Gasplanet und Sonne. Ihre Masse liegt
zwischen ~15 bis 80 Jupitermassen. Auch bei ihnen kann die
Kernfusion des normalen Wasserstoffs 1H noch nicht
zünden, aber mit ein wenig Glück verfügen sie
über genügend schweren Wasserstoff, Deuterium 2H,
den sie fusionieren können. Dieser Prozess dauert wegen der
geringen Mengen von Deuterium im All nur kurze Zeit an. Er
erhitzt den Braunen Zwerg aber auf 1000-2000°C, wodurch er
in einem dunkelroten Licht leuchtet. Dies führte zu dem
Namen Brauner Zwerg. Von diesen, zunächst theoretisch
angenommenen Himmelskörpern, wurden inzwischen einige 10
Stück nachgewiesen und inzwischen auch bildlich
festgehalten.
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- Das Sonnenleben
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Der weitaus grösste Teil der entstehenden Sterne besitzt
etwa die Grösse der Sonne. Ihre Masse reicht aus, um die
Fusion des normalen Wasserstoffs 1H etwa 10
Milliarden Jahre = 10.000 Millionen Jahre durchzuhalten. Dabei
verschmelzten sonnenähnliche Sterne jede Sekunde etwa 600
Millionen Tonnen Wasserstoff zu 594 Millionen Tonnen Helium. Aus
den restlichen 6 Millionen Tonnen Materie entsteht Energie.
Diese nehmen wir auf der Erde, auch ohne den Gebrauch von
Messinstrumenten, in der Form von Wärme und Licht wahr.
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Über den genannten Lebenszeitraum wird der Stern etwa 10%
des anfänglich gesammelten Wasserstoffvorrats fusioniert
haben, denn die Kernverschmelzung von Wasserstoff zu Helium
findet nur in dem, einige Zehnmillionen Kelvin heissen,
Kernbereich des Sterns statt.
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Doch es gibt auch die Riesensterne, mit Massen bis hin zum
100fachen der Sonne. Ihr Leben als Stern ist kurz. Zu schnell
verbrennen sie den angehäuften Wasserstoffvorrat. Geht man
davon aus, dass ihre Helligkeit in genügender Annäherung
auch ein Mass für die umgesetzte Energie ist, so verbrennt
ein Stern von doppelter Grösse der Sonne, 8 mal so viel
Wasserstoff wie diese. Die Leuchtkraft (L) eines Sterns steigt
also nicht linear mit der Masse (M), sondern in etwa, mit deren
dritter Potenz. Als Formel könnte man schreiben, (L~M³).
So leuchtet ein Stern mit drei Sonnenmassen fast 27 mal heller
als die Sonne. Dies bedeutet, dass er entsprechend mehr
Wasserstoff fusionieren muss, was nun seine Lebensdauer
drastisch verringert. Da die Lebensdauer annäherungsweise
durch die Formel: Lebensdauer (D) ~ Masse (M) / Leuchtkraft (L)
berechnet werden kann, ergibt sich zur Berechnung der
Lebensdauer bei massereichen Sterne, die für sie
dramatische Formel: D~ 1/M². Sie sagt aus dass sich die
Lebensdauer eines Sterns mit dem Quadrat seiner Masse verkürzt.
Der oben angesprochene Stern würde also 27 mal heller
leuchten als die Sonne, allerdings nur 1/9 ihrer Lebensspanne
erreichen, was grob über den Daumen gepeilt etwa 1.000
Millionen Jahren = 1Mrd. Jahren entspräche.
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Bei Sternen mit der 10 bis 20fachen Masse der Sonne sinkt die
Lebenserwartung bereits auf 100 25 Millionen Jahren und
noch grössere Sterne können schon nach 10 Millionen
Jahren und darunter ausgebrannt sein.
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Würde man die Lebensdauer und das Gewicht eines Menschen,
der 80 Jahre alt werden möge und 80kg schwer ist, mit der
Lebensdauer und der Masse unserer Sonne gleichsetzen, so hätte
ein Stern mit der 20fachen Masse der Sonne, ein Gewicht von etwa
1½ Tonnen und eine Lebenserwartung von ½
Jahr. Aus dieser Gegenüberstellung lässt sich ermessen
wie ungenau die Charakterisierung eines Sterns als 'alt' oder
'jung' ist, wenn nicht auch seine Masse genannt wird.
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Denkt man an Sterne, die leichter sind als die Sonne, so kommt
man zu dem Schluss, dass diese wegen ihrer mässigen Fusion
von Wasserstoff nicht so hell leuchten können, dafür
aber extrem alt werden müssen. Für Sterne die etwa ¾
der Sonnenmasse besitzen kommen die Astrophysiker auf eine
Lebensdauer, die weit über dem Alter des Universums liegt.
Damit muss es Sterne geben, die bereits seit dem Anfang des
Universums bestehen.
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Leider haben die Astrophysiker noch
nicht alle Abhängigkeiten verstanden, welche auf die Länge
eines Sternlebens einwirken. So wissen sie nicht, welche genauen
Einflüsse die Rotation, die Konvektion, das Magnetfeld, das
Pulsieren eines Sterns, sein Sonnenwind und weitere Phänomene,
auf das Alter eines Sterns nehmen. Entsprechend sind die obigen
Angaben Annäherungen, die während einer astronomisch
gesehen, ungemein kurzen Beobachtungszeit von etwas mehr als 100
Jahren entstanden sind.
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