1.14 Versuch einer Zusammenfassung
 
Der Urknall
Vor etwa 13,7 Milliarden Jahren begann ein Etwas, dessen Natur dem Menschen unbekannt ist und bleiben wird, zu expandieren, so wie sich ein Hefeteig aufbläht, nur etwas schneller. Es wurde mächtig heiss, doch in den Folgesekunden, -minuten und -tagen, nach diesem als Urknall bezeichneten Ereignis, organisierte sich das, was wir heute als Materie und Energie bezeichnen. Genau in diesem Moment der Expansion begann auch das, was Einstein als Raum und Zeit beschreibt und was durch seine Gesetze und Formeln berechenbar, und in seinen Abläufen ein Stück weit erklärbar wird.
 
In der Folge expandierte dieses, nun als Universum bezeichnete Gebilde mit einer unbekannt hohen Geschwindigkeit, die Einsteins Gesetze nicht zu beschreiben wissen und über die auch durch die Lichtgeschwindigkeit nichts ausgesagt wird. Es verlangsamte sich in diesem Expansionsstreben bis heute, jedoch nicht so stark, dass man annehmen könnte, es würde sich irgendwann wieder zusammenziehen und so erreichte das Universum bis heute eine Ausdehnung, die von den Astrophysikern mit 92Mrd Lichtjahren oder mehr, angegeben wird.
Nach theoretischen Erwägungen kann man in keinem Fall weiter sehen, da die Materie in den Anfangstagen des Universum, in ihre Elementarbauteichen zerlegt, das Licht so sehr streute, dass das Universum zu diesem Zeitpunkt undurchsichtig war.
 
Nachdem sich dieser Nebel gelichtet hatte und Atome, Nebel, Sterne, Galaxien entstanden waren, die im Bild des Hefeteigs nun die Rosinen darstellen, durcheilte das Licht zusammen mit anderen Energien und mit der maximalen Geschwindigkeit von 299.792,458 km/s den Raum, so dass wir das entstandene Wunder mit unseren Augen ansehen und mit unseren Messgeräten 'befühlen' können.
 
Dabei ist die geringe Geschwindigkeit des Lichtes und die der anderen Energieformen, Chance und Tragödie gleichermaßen. Je weiter Objekte von uns entfernt sind, desto länger benötigt ihr Licht bis es bei unseren Augen eintrifft. So sehen wir immer in die Vergangenheit, denn ob das was wir sehen noch heute Bestand hat, werden wir erst wissen, wenn das Licht des heutigen Tages nach Jahren oder gar Jahrmillionen bei uns eintrifft. Andererseits können wir Dinge miterleben, die schon längst abgelaufen sind und uns Hinweise und Wissen in Bezug auf unsere eigene Zukunft vermitteln. Ein Beispiel ist der Entwicklungsprozess von Sternen, der uns Wissen über die Entwicklung unserer eigenen Sonne vermittelt.
 
Ein anderer Aspekt ist der, dass uns das Licht mit seiner Langsamkeit Informationen über die Entfernung der gesehenen Objekte liefert. Während der Zeit seines Fluges zu uns, vergrößert sich das Weltall ja weiterhin. Ein Vorgang, der auch auf das Licht einwirkt. Es wird gestreckt. Aus der Verschiebung von Spektrallinien hin zum roten Lichtbereich, erhalten die Astrophysiker einmal einen Hinweis auf die Geschwindigkeit, mit der sich das gesehene Objekt entfernt und sie können zudem durch den Vergleich mit anderen Objekte, deren Entfernung bekannt ist, feststellen, wie weit das Objekt entfernt ist.
 
Natürlich lädt das Modell des Urknalls zum Philosophieren und zur Entwicklung alternativer Theorien ein. Es ist ein Modell menschlicher Vorstellungskraft, so wie andere Modelle mit denen wir arbeiten, um Gesetzmässigkeiten zu erkennen und Vorhersagen treffen zu können. Die Urknalltheorie ist keine Wahrheit, beschreibt aber nach menschlichem Vermögen und weitestgehend widerspruchsfrei das, was wir bisher mit dem Universum erlebt haben. Sie ist nicht dogmatisch und man muss nicht an sie glauben. Im Gegenteil, man darf sie weiterentwickeln, damit sie noch bessere Vorhersagen in Bezug auf das Verhalten und die Entwicklung des Universums hervorbringt.
An dieser Stelle unterscheidet sich jedes physikalische Modell von Dogmen, den nicht veränderbaren Lehrsätzen, so wie sie beispielsweise in Religionen gepflegt werden. Hier lautet zum Beispiel ein Dogma, dass die Welt 7000 Jahre alt sei. Das wiederspricht zwar allen menschlichen Erfahrungen mit dieser Welt, muss aber so sein, weil es in einem heiligen Buch steht. Betrachtet man dann die krampfhaften Bemühungen der Dogmatiker, diese Lehrsätze entgegen aller Erkenntnis zu erhalten, möchte man ihnen wünschen, dass sie sich auf den hohen Wert ihrer ethischen Grundsätze besinnen. Diese vermögen dem Menschen ein Leitbild im Umgang mit sich und seiner Welt zu geben. Dass 'Gott' oder besser eine 'Unbeschreibbare Allmacht' in der Physik steckt ist doch eine Binsenweisheit, die auch ohne Dogma funktioniert. Im Bereich der Astrophysik leuchtet sie jedem unmittelbar ein, der sein Auge weg vom Fernseher, auf den Sternenhimmel einer dunklen Nacht richtet und sich fragt, was er dort eigentlich sieht.
 
 
Der Galaxienhaufen Abell 3827 ist etwa 1,5 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt und so alt muss auch das Licht sein was wir heute von ihm sehen. Zu dieser Zeit, also damals, kamen hier 5 kleine Galaxien einer grossen Galaxie zu nahe und wurden von ihr einverleibt. Was mag heute aus ihnen geworden sein?
 
Die Zukunft
Die Zukunft, in Bezug auf das von Menschen überblickte Universum, ist unbekannt und wird es bleiben, .. es sei denn, es gibt es, das 'Ewige Leben'. Für den Moment unseres materiellen Daseins werden wir jedoch mit dieser Wahrheit leben müssen. Auch Spekulationen über Paralleluniversen, die sich wie Blasen im Schaum zusammenfügen, können nicht über diesen Mangel hinwegtäuschen.
 
Freuen wir uns derweil über den immensen Zuwachs unseres Wissen, der sich im 20. Jahrhundert und im Besonderen seit 1980, durch den Einsatz neuer Techniken ergab. So bleibt die Astrowissenschaft auch für nachfolgende Generationen spannend.
Im Verlauf der letzten 100 Jahre haben sich die Nebel weiter gelichtet und sind zu Sternhaufen, weit entfernten Galaxien und bunt leuchtenden Gas- bzw. Staubblasen geworden. Seither können Menschen miterleben, wie sich neue Sterne bilden, haben weitere Planeten und Monde unseres Sonnensystems entdeckt und sogar solche Planeten gefunden, die um entfernte Sterne kreisen. Auf brillanten Bildern kann die Dynamik beobachtet werden, die dieses Universum bestimmt. Sonnenwinde, welche Nebelschwaden hinwegblasen, Gasjets, die mit höchsten Geschwindigkeiten in das All hinausschießen, Sterneninseln die einander begegnen, verzerren, durchdringen oder miteinander verschmelzen, sprechen von Turbulenzen, die sich menschlicher Erfahrung entziehen. Erkannt wurden Masseansammlungen in Schwarzen Löchern und Quasaren die der menschlichen Vorstellungskraft fremd waren und vertieft hat sich die Erkenntnis, dass es mehr geben muss, als wir bisher wahrnehmen. Die Suche nach der Dunklen Energie und -Materie hat gerade begonnen.
 
Unwahrscheinlich ist die Idee des Big Crunch geworden, also der Annahme die vorsah, dass die Expansion des Universums enden würde und dann alles auf den Anfangszustand zurückfallen würde. Spätestens im Jahr 2000 wurde sie durch die Erkenntnis über den 'Haufen' geworfen, dass sich die am weitest entfernten Galaxien, noch immer mit zu hoher Geschwindigkeiten von uns entfernen. Schon zuvor reichten die Kräfte der bekannten Massen nicht aus, damit sich alles wieder zusammenziehen würde und man hoffte auf die 90% der Schwarzen Materie die wir erahnen, aber bisher nicht finden konnten. Bei den gemessenen Geschwindigkeiten reicht aber auch sie nicht mehr aus um die Umkehr einzuleiten.
 
Der menschliche Erfahrungsschatz hat ein gutes Stück weit zugenommen. Leider bedeutet das nicht, dass wir auch alle Abhängigkeiten begriffen hätten. So wird auch die heutige Generation ohne die absolute Wahrheit und mit vielen offenen Fragen in ihr Grab steigen müssen. Wir wissen inzwischen, dass die Erde noch etwa 500Mio Jahre lang Leben beherbergen kann. So bleibt der Wunsch, dass folgende Generationen die akut anstehenden Probleme der Weltbevölkerungszunahme und der Klimaveränderung besser zu bewältigen wissen, als die bisherigen und sich so die Chance schafft, noch eine Zeit lang mehr über diese Welt herauszufinden.

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