1.15 Die restlichen 90% des Weltalls - dunkle Materie
 
Bis jetzt war in den hier vorliegenden Texten von den sichtbaren Objekten des Weltalls die Rede, den Quasaren, Galaxien, Sternen, Planeten, Wasserstoffnebeln und den dunklen Staubnebeln, die sich gegen leuchtende Regionen abheben und dadurch sichtbar werden. Doch es muss in den Weiten des Weltraums noch mehr Materie geben, die wir nicht sehen können. Welcher Art diese Materie ist, weiss bis heute niemand.
 
Es fiel schon dem holländischen Astronomen Jan Hendrik Oort auf, dass die äußeren Sterne unserer Milchstraße, bei ihrem Weg um den Kern der Galaxie, eine viel zu hohe Geschwindigkeit besitzen. Mit der aus ihrer Geschwindigkeit berechenbaren Fliehkraft, sollten sich alle Sterne nach und nach von der Milchstraße entfernen, um irgendwann wegzufliegen. Die Gravitation die sich aus der für uns sichtbaren Masse bei der Milchstraße und den anderen Galaxien ergibt, reicht einfach nicht aus, um der Fliehkraft entgegenzuwirken. Es muss mehr Masse vorhanden sein, denn die Galaxien erweisen sich als stabile Gebilde, nur wir sehen diese Masse augenscheinlich nicht. Dieser Umstand bereitet den Astrophysikern erhebliche Kopfschmerzen .. Sie nennen ihr Problem das der 'fehlenden Masse', der missing mass.
 
Rechnet man in umgekehrtem Sinn, also wie viel Masse vorhanden sein müsste, so dass diese der Fliehkraft entgegenwirken kann, wird das Problem nicht kleiner. Hieraus ergibt sich nämlich, dass es neun mal mehr Masse geben müsste, als wir sehen. Das bedeutet, von der Masse die im Weltall vorhanden ist, haben wir bisher 10% erfasst und gesehen, 90% der Masse dagegen ist uns verborgen.
 
Es gab schon einige Versuche das Problem, durch die Infragestellung der von uns Menschen aufgestellten physikalischen Formeln, wegzureden .. und in der Tat, Einstein hatte ja seinerzeit erhebliche Löcher in der Formelwelt seines Jahrhunderts gefunden. Doch je besser die Beobachtungsmethoden in den letzten Jahren geworden sind, umso präziser kann festgestellt werden, dass es etwas gibt, von dessen Natur wir Menschen noch keine Vorstellung besitzen. Ein mit Masse behaftetes Etwas, das sich unseren Instrumenten bisher entzieht. Unzählige Messungen in den letzten Jahren weisen nach, dass sie vorhanden sein muss .. die Dunkelmaterie deren elementare Zusammensetzung und deren Wechselwirkungseigenschaften wir nicht kennen. Verblüffenderweise soll sie sich in den kleinen Galaxien, den Zwerggalaxien, mit 99%, in weitaus größeren Mengen verstecken, als in den großen Spiralgalaxien, bei denen sie es nur auf rund 90% bringt .. und schon wird angenommen, dass es Galaxien gibt, die überhaupt keine Sterne und Nebel besitzen, sondern nur aus dieser Materie bestehen.
Wie auch immer, die Astrowissenschaft besitzt ein echtes Problem. Die Rätsel um die 10% des sichtbaren Universums haben es schon in sich. Aber 90% des Universums haben wir, wie es aussieht, noch gar nicht erfasst ..
 
 
Dieses durch Überlagerung zweier Bilder entstandene Doppelbild aus dem Jahr 2000 verrät verblüffendes aus dem kosmischen Katalog der Mysterien.
  • Das gelbe Bild zeigt den Nachthimmel in sichtbarem Licht, und in seinem Mittelpunkt befindet sich die nur 15Mio Lichtjahre entfernte Zwerggalaxie NGC 2915.
  • Das blaue Bild stellt das 'Licht' einer speziellen Wellenlänge im Bereich der Radiostrahlung dar. Diese elektromagnetische Strahlung wird durch neutralen Wasserstoff ausgesendet. Sie umgibt die vermeintlich kleine Galaxie in einer Ausdehnung und in einer Struktur, die einer großen Spiralgalaxie ähnlich sieht. Das für sich genommen ist bereits eine Erweiterung menschlicher Erkenntnis. Unermessliche Wasserstoffschwaden ohne angestoßene Sternbildung sind hier zu erkennen.
Was die Astronomen nun als Mysterium ansehen, ist die große Menge an Dunkelmaterie, die sich innerhalb des Wasserstoffes befinden muss, sowie die Fragen, .. wie kommt es zu der Spiralstruktur des Gases und wo bleibt die Sternbildung? Es wurden weitere solcher Galaxien gefunden, die man als BCD-Galaxien anspricht. Übersetzt bedeutet diese Abkürzung 'Blue Compact Dwarf', also 'blaue, kompakte Zwerggalaxie'.

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